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„Perspektiven für Kinder und Jugendliche nach Corona“

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Perspektivkonzept zur Wiederaufnahme von Schülerfahrten und Angeboten
von Lern- und Feriencamps für Kinder und Jugendliche

Ein Kind hinter einem Kicker

Perspektiven für Kinder und Jugendliche nach Corona

Perspektivkonzept zur Wiederaufnahme von Schülerfahrten und Angeboten
von Lern- und Feriencamps für Kinder und Jugendliche

Die in Folge der Corona-Pandemie  beschlossenen Beschränkungen wirken sich massiv auf die körperliche, psychische und seelische Gesundheit von heranwachsenden aus. Jugendherbergen, Schullandheime und Jugendbildungsstätten sind vor diesem Hintergrund wichtige Lernorte, um „Schule außerhalb der Schule“, aber auch nonformale und informelle Bildungsprozesse zu ermöglichen.

Die genannten Organisationen richten deshalb in einem gemeinsamen Positionspapier Forderungen an die Landes- und Bundespolitik. Grundsätzlich wird festgestellt, dass Kinder und Jugendlichen Räume und Gelegenheiten für Bildung, Gemeinschaftserlebnisse und zur Bewältigung ihrer Entwicklungsaufgaben brauchen. Das Lernen an Orten außerhalb von Schule und Alltag ist ebenso wichtig wie der „eigentliche Unterricht“ und keine „verlorene Unterrichtszeit“. Es werden daher konkrete Schritte der Wiederinbetriebnahme von Jugendherbergen, Schullandheimen und Jugendbildungsstätten angemahnt.

Nach über einem Jahr Ausnahmezustand durch Corona müssen jetzt die Weichen für mehr Normalität im Alltag von Kindern und Jugendlichen gestellt werden. Es ist möglich und nötig, Corona-adäquate Rahmenbedingungen zu schaffen, dass diese wertvollen Erfahrungs-, Bildungs- und Begegnungsaufenthalte durchgeführt werden können.

Perspektivkonzept (Positionspapier) zur Wiederaufnahme von Schülerfahrten und Angeboten von Lern- und Feriencamps für Kinder und Jugendliche

„Perspektiven für Kinder und Jugendliche nach Corona“

 I. Ausgangssituation

Die in Folge der Corona-Pandemie beschlossenen Beschränkungen und Verbote im privaten, schulischen und/oder beruflichen Umfeld wirken sich massiv auf die körperliche, psychische und seelische Gesundheit von Kindern und Jugendlichen aus. Die Maßnahmen beeinflussen die Aufwachsbedingungen und die Möglichkeiten zur Bewältigung von wichtigen Entwicklungsaufgaben der Heranwachsenden.
Ein besonderes Defizit in der politischen Bewältigung der Krise liegt in der radikalen Beschneidung von Optionen für eine gelingende Bildungsbiografie dieser Generation. Die durchgängigen und längerfristigen Schließungen von Bildungsorten haben Räume und Gelegenheiten der schulischen und außerschulischen Bildung stark eingeschränkt. Prozesse der Identitätsentwicklung sind gestört, Teilhabe- und Bildungschancen verschlechtern sich, Benachteiligungen nehmen zu.

Mit der massiven Einschränkung umfassender Bildungsoptionen (formale, non-formale und informelle Bildung) gehen die Verstärkung sozialer Disparitäten, eine Zunahme von Deprivationserfahrungen sowie negative psychosoziale und gesundheitliche Auswirkungen einher.
Im Wesentlichen lassen sich Beeinträchtigungen für Kinder und Jugendliche in folgenden Bereichen feststellen:

  • Schulschließungen und Home-Schooling führen unter Umständen zu Einschränkungen von intellektuellen Fähigkeiten und verstärken die Bildungsungleichheit.
  • Isolation und Kontakteinschränkungen (fehlende Kontakte und Erlebnisse mit Gleichaltrigen, kein unbefangener Umgang mit anderen).
  • Auswirkungen auf das familiäre Leben (Konzentration auf enges Familienumfeld, Hemmung von Ablösungsprozessen, Zunahme von Konflikten bis hin zu Gewalt).
  • Freizeit und Konsumverhalten konzentrieren sich stark auf die digitale Ebene (Bewegungsmangel, fehlende Strukturierung des Alltags, Reduzierung primärer Erfahrungen).
  • Störungen in der Lebensweltorientierung (Welt im Krisenmodus, Zukunftsunsicherheit, Ängste, fehlende Perspektive und Motivation, Erschwerung von Berufsorientierung und Hürden für Übergänge zwischen Schularten und beim Übergang Schule und Beruf).

Insbesondere psychosoziale Auswirkungen der Pandemie auf Kinder und Jugendliche sind inzwischen durch in mehreren Ländern durchgeführte Studien belegt. In Deutschland sei auf die COPSY-Studie (Studie Corona und Psyche) des Universitätskrankenhauses Hamburg-Eppendorf verwiesen. Darin wurden die psychischen und sozialen Einschränkungen von Gesundheit und Lebensqualität bei Kindern und Jugendlichen im Alter zwischen 11 und 17 Jahren analysiert.

Die Ergebnisse sind ernüchternd:

  • Nahezu jedes dritte Kind zeigt etwa ein Jahr nach Beginn der Pandemie in Deutschland psychische Auffälligkeiten.
  • 85 % der befragten Kinder fühlen sich durch die Corona-Krise belastet.
  • Rund 70 % der Kinder empfinden ihre Lebensqualität als gemindert.

Ängste und Sorgen der Heranwachsenden haben laut der Studie noch einmal deutlich zugenommen.

„Isolation und Kontaktbeschränkungen werden von einem großen Teil der Kinder und Jugendlichen als ein tiefer Einschnitt in ihre Lebensgewohnheiten wahrgenommen. Etwa ein Drittel der jungen Menschen leidet nach eigenen Angaben psychisch und sozial unter diesen Maßnahmen. Sie empfinden die Situation als ein kritisches Lebensereignis, auf das sie in keiner Weise vorbereitet wurden. Sie fühlen sich bei der Bewältigung ihrer alterstypischen Entwicklungsaufgaben stark behindert.“ (Klaus Hurrelmann und Dieter Dohmen, Bildungsforscher/Sozialwissenschaftler 2021)

Die steigende psychische Belastung bestätigt auch die Jugend-Corona-Studie (JuCo) der Bertelsmann- Stiftung (Forschungsverbund der Universitäten Hildesheim und Frankfurt 2021).

Neben Problemen in der Familie und im Verhältnis zu Freunden wird auch eine gravierende Verschlechterung des Gesundheitsverhaltens der Kinder und Jugendlichen nachgewiesen: der Medienkonsum ist hoch, ein Fünftel treibt überhaupt keinen Sport, ein Drittel isst mehr Süßigkeiten als vor der Pandemie.

Die Lebensqualität von Kindern und Jugendlichen hat sich merklich verschlechtert. Besonders betroffen sind Kinder aus sozial schwachen Verhältnissen und mit Migrationshintergrund.

 „Wir dürfen es nicht zulassen, dass psychische Probleme, Vereinsamung und Zukunftsängste das Leben der jungen Menschen zunehmend bestimmen. (…) Gerade wenn die Schulen ihre Tore schließen, braucht es außerschulische Angebote, die soziale Interaktion ermöglichen, Bewegungs- und Ernährungsangebote für Kinder und Jugendliche aufrechterhalten sowie eine Ansprechfunktion in schwierigen familiären Situationen bieten.“ (Thomas Krüger, Präsident des Deutschen Kinderhilfswerks / Präsident der Bundeszentrale für politische Bildung)

II. Schülerfahrten und Kinder-/Jugendfreizeiten – pädagogische Bedeutung und Mehrwert für die Bildung junger Menschen

„Verlässliche Partner für Schulen und Familien“

Jugendherbergen, Schullandheime und Jugendbildungsstätten sind wichtige Lernorte, um „Schule außerhalb der Schule“, aber auch non-formale und informelle Bildungsprozesse zu ermöglichen. Die Einrichtungen des Deutschen Jugendherbergswerks Landesverband Bayern, des Bayerischen Schullandheimwerks und des Bayerischen Jugendrings sind ein wesentlicher Teil der Bildungsarbeit und erweitern die Qualität von Erziehung und Unterricht.

Aufgrund ihrer Konzeption und Strukturen zeichnen sich die bayerischen Jugendherbergen, Schullandheime und Jugendbildungsstätten durch vielfältige Qualitätsmerkmale aus, die für eine zeitgemäße und nachhaltige Bildung stehen (vgl. Positionspapier „Schülerfahrten in Bayern“, 2013). Sie sind gemeinnützige, staatlich geförderte Einrichtungen und als Träger der freien Jugendhilfe (gemäß §75 SGB VIII) anerkannt und seit vielen Jahrzehnten verlässliche Partner im bayerischen Bildungs- und Erziehungssystem.

Schülerfahrten1Unter Schülerfahrten werden ein- oder mehrtägige schulische Veranstaltungen verstanden, bei denen Schülerinnen und Schüler die Schule zu Bildungszwecken verlassen. Zu den traditionellen Formen zählen Schullandheimaufenthalte, Studienfahrten, Fachexkursionen, Schulsportkurse und Schülerwanderungen. Ebenso gehören internationale Schülerbegegnungen dazu. Zunehmend werden auch Projektwochen, Workshops oder Seminare an außerschulischen Lernorten durchgeführt. Rechtlicher Bezugsrahmen sind die „Durchführungshinweise zu Schülerfahrten“ des StMUK (KWMBl Nr. 15/2010 vom 9.7.2010). leisten neben freizeitpädagogischen Angeboten, selbstorganisierter Jugendarbeit und außerschulischer Bildung einen wichtigen Beitrag zur Bildungsvielfalt. Sie sind eigenständige, bewährte und notwendige Bildungs- und Begegnungsformate und in diesem Sinne eine unverzichtbare Säule im Prozess der Emanzipation, des individuellen Reifens und der Erlangung von Autonomie.

Schülerfahrten, Lern- und Feriencamps in bayerischen Jugendherbergen, Schullandheimen und Jugendbildungsstätten fördern die Persönlichkeitsentwicklung der Kinder und Jugendlichen. Die Angebote knüpfen eng an den Interessen und Bedürfnissen der Kinder und Jugendlichen an. Feste Rollenmuster können aufgelöst werden. Mehrtägige Aufenthalte an Jugendherbergen, Schullandheimen und Jugendbildungsstätten bereichern das gesamte Schulleben. Die Einbindung von pädagogischen Programmen der gemeinnützigen Träger schafft zusätzliche Verknüpfungsmöglich- keiten zu unterrichtlichen Themen durch Angebote der non-formalen und informellen Bildung.
Zahlreiche Programme weisen enge Bezüge zu Themen und Inhalten des Lehrplans auf und lassen sich mit den Gegenstandsbereichen und fächerübergreifenden Kompetenzen des LehrplanPLUS Bayern verbinden. Neben fachbezogenen Anknüpfungsmöglichkeiten können insbesondere die schulart- und fächerübergreifenden Bildungs- und Erziehungsziele während des Aufenthalts vertieft werden.

In diesem Sinne leisten die Angebote auch einen wichtigen Beitrag zur Unterstützung von Schülerinnen und Schülern beim Ausgleich von Lerndefiziten. Die zielgruppenspezifische Ausrichtung der Programme ermöglicht auch die Förderung des selbst organisierten Lernens. Die Erfahrungen von mehrtägigen Schülerfahrten sind ein wesentlicher Bestandteil jeder Schüler/innen-Biografie und begünstigen neben der kognitiven auch die emotionale Entwicklung der Heranwachsenden in besonderer Weise. Dazu zählen neben Erlebnissen in der Peer-Group auch das Erlernen von Regeln und Ritualen in der Gemeinschaft sowie das Einüben von Partizipation und Teilhabe.

Das Lernen an Orten außerhalb von Schule und Alltag ist ebenso wichtig wie der „eigentliche Unterricht“ in der Schule und deshalb keine „verlorene Unterrichtszeit“. Vielmehr ergänzt und bereichert der Aufenthalt in der Jugendherberge, im Schullandheim oder der Jugendbildungsstätte die pädagogischen Möglichkeiten des Unterrichts im Klassenzimmer.

„Die seit 12 Monaten anhaltende Pandemie hat die Bedeutung von sozialem Lernen, von Begegnung und selbstgestalteten Räumen exponentiell erhöht. Heranwachsende sehnen sich nach Gemeinschaft und Erlebnissen unter Gleichaltrigen. Deshalb und vor dem Hintergrund der deutlich gestiegenen Gefahr psycho-sozialer und körperlicher Folgeschäden der Corona-Maßnahmen müssen nun die politisch Verantwortlichen umgehend Bedingungen schaffen, die diese wertvollen Bildungs- und Begegnungsfahrten schnellstmöglich zulassen.“ (Klaus Umbach, Präsident des DJH Landesverbandes Bayern)

Insgesamt sind Schülerfahrten sowie Ferienfreizeiten und Lerncamps in Jugendherbergen, Schullandheimen und Jugendbildungsstätten eine gleichberechtigte und damit unverzichtbare Komponente in der sozialen Entwicklung von Kindern und Jugendlichen. Die pädagogischen Angebote leisten einen wesentlichen Beitrag, um Deprivations- und Defiziterfahrungen wie massiv reduzierte Gemeinschaftserlebnisse und versäumte Unterrichtsinhalte auszugleichen.

III. Hochwertige Lernorte und besondere Erfahrungsräume

„Wir bieten pädagogisch wertvolle Aufenthalte“

Im Verlauf der Corona-Pandemie sind bei Schülerinnen und Schülern Unterrichtsdefizite entstanden, die es verstärkt auszugleichen gilt. Gleichzeitig hat sich auch das soziale Leben reduziert. Gerade für Kinder und Jugendliche fehlten und fehlen soziale Kontakte, gemeinschaftliche Erlebnisse und unmittelbare Erfahrungen. Damit einher geht die Gefahr einer sich ausweitenden Bildungsungleichheit in unserer Gesellschaft.

Vor allem das soziale Miteinander, Teamgeist und Interaktionen müssen wieder eine wichtigere Rolle spielen. Aufgrund der starken Einschränkungen durch die Maßnahmen zum Infektionsschutz und für einen allmählichen Wiedereinstieg in außerschulische und außerunterrichtliche Aktivitäten bieten die Träger der Jugendherbergen, Schullandheime und Jugendbildungsstätten ein vielfältiges Bildungs- und Freizeitprogramm.

Relevante Themen

In Zeiten während und nach der COVID-19-Pandemie sind insbesondere die folgenden Themenfelder von besonderer Bedeutung:

  • Soziales Lernen
  • Kulturelle Bildung, musisch-ästhetische Bildung
  • Natur- und Umwelterfahrungen / Bildung für nachhaltige Entwicklung (Umweltbildung, Globales Lernen)
  • Gesundheitsförderung, Sport und Bewegung
  • Medienbildung / Digitales Lernen
  • Politische Bildung / Demokratieerziehung / Rassismus-kritische Migrationspädagogik
  • Teilhabe und Partizipation der jungen Menschen

Jugendbildungsstätten: Natur-Erlebnis-Tage; Tage der Orientierung; Berufsorientierungsseminare, Seminare zum Übergang Schule-Beruf, Vielfalt macht stark (zur diversitätsorientierten Pädagogik), Angebote des Netzwerkes Schule ohne Rassismus-Schule mit Courage (SORSMC).

https://www.jugendbildungsstaetten.de

https://www.sor-smc-bayern.de

https://www.bjr.de

Jugendherbergen: Schülerfahrten für alle Jahrgangsstufen und alle Schularten; Programme mit curricularer Anbindung (z.B. Gütesiegel „Lehrplan unterstützend“); Ferienfreizeiten und Camps für Kinder- und Jugendliche; Bildungsprojekte; zertifizierte Bildungsprofile.

https://bayern.jugendherberge.de/alle-klassenfahrten/

https://lehrplan-erleben.de

https://bayern.jugendherberge.de

Schullandheime: Schullandheimaufenthalte für alle Jahrgangsstufen und alle Schularten; thematisch breites, fächerübergreifendes und lehrplanbezogenes Bildungsangebot, das auch von außerschulischen Gruppen und bei Ferienfreizeiten genutzt werden kann.

https://www.schullandheim-bayern.de

https://www.schullandheim-bayern.de/bildungsangebote

https://www.mehrwert-demokratie.de

Mehrstufiges Modell für Programmangebote

Generell können die Gäste aus einem vielfältigen und zielgruppenspezifischen Programmangebot mehrtägige Komplettprogramme nutzen oder ihr eigenes Programm aus zahlreichen Einzelbausteinen zusammenstellen.

Vor allem der einwöchige oder zumindest mehrtägige Aufenthalt in einer Jugendherberge, einem Schullandheim und einer Jugendbildungsstätte steht für den beschriebenen hohen pädagogischen Mehrwert.

Für die Perspektive einer Rückkehr zu erzieherisch und pädagogisch wichtigen Formaten werden aktuell zusätzliche „Einstiegsangebote“ entwickelt, um im Sinne eines „Stufenplans“ auch mit kürzeren Programmen neue Bildungs- und Begegnungsmöglichkeiten für die Zielgruppen zu schaffen.

Diese sind in Form von Kurzaufenthalten, Tagesprogrammen (Thementage, Wandertage) und Ferienfreizeiten oder Lerncamps verfügbar.

Beispielprogramme:

Jugendbildungsstätten: beispielweise auch Fachtagungen zu den oben genannten Themen an den Jugendbildungsstätten.

https://www.jugendbildungsstaetten.de/angebote/angebote-fuer-schulen/

https://www.jugendbildungsstaetten.de/angebote/fortbildungen-fuer-lehrerinnen-und-lehrer/

Jugendherbergen: Thementage zu Kultur und Geschichte, Umweltbildung/Bildung für nachhaltige Entwicklung, Soziales Lernen, Teambildung uvm.; Workshops zu Medienbildung, Wandertage für Schulklassen aller Schularten; Kulturtage an bayerischen Schulen.

https://bayern.jugendherberge.de/alle-klassenfahrten/wandertage/

https://bayern.jugendherberge.de/alle-klassenfahrten/bne-klassenfahrten/

https://bayern.jugendherberge.de/alle-klassenfahrten/soziales-lernen/

Schullandheime: Angebote unterschiedlicher Dauer z.B. zu Themenschwerpunkten wie Umweltbildung, Naturwissenschaften, Demokratieerziehung, Soziales Lernen, Kultur und Geschichte, Verkehrserziehung und Sport.

https://www.schullandheim-bayern.de

https://www.schullandheim-bayern.de/bildungsangebote/

https://www.mehrwert-demokratie.de

In Ergänzung zu den wertvollen pädagogischen Programmen sind die Jugendherbergen, Schullandheime und Jugendbildungsstätten auch in der Ausstattung und im Raumprogramm optimal auf die Bedürfnisse von Kinder- und Jugendgruppen sowie Schulklassen eingestellt. Den Gruppen stehen Tages- und Seminarräume in unterschiedlicher Größe mit medientechnischer Ausstattung zur Verfügung. Verbunden mit attraktiven Gemeinschaftsflächen und Außenanlagen bieten die Häuser gestaltete Lernumgebungen, die Lernen und Unterricht am anderen Ort, aber auch non-formales und informelles Lernen im Rahmen gelungener Aufenthalte möglich machen.

Das Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter der Einrichtungen sind qualifiziert und in hohem Maße am Service und den Bedürfnissen der Klassen/Gruppen orientiert. Schulklassen und Gruppen können bei Bedarf auf die Unterstützung durch qualifizierte pädagogische Fachkräfte zurückgreifen. Die Teams setzen sich aus verbandseigenen Fachkräften oder geschulten externen Partnern, Honorarkräften und Ehrenamtlichen zusammen.

IV. Sicherheits- und Hygienekonzepte

„Wir schaffen sichere Räume“

Die gemeinnützigen Träger Deutsches Jugendherbergswerk Landesverband Bayern, Bayerisches Schullandheimwerk und Bayerischer Jugendring setzen in ihren Einrichtungen jeweils Schutz- und Hygienemaßnahmen auf Grundlage der geltenden Verordnungen zum Infektionsschutz in der COVID- 19-Pandemie um.

Im Betrieb der Jugendherbergen, Schullandheime und Jugendbildungsstätten und ihrer Angebote steht der Schutz der Gesundheit der Gäste und Mitarbeitenden im Vordergrund. Die konsequente Einhaltung der rechtlichen Vorgaben und Handlungsanweisungen hat absolute Priorität. Mit den vorhandenen Strukturen und Ressourcen leisten die Einrichtungen einen wichtigen solidarischen Beitrag zur gebotenen Rückkehr in ein an die aktuellen Umstände angepasstes gesellschaftliches Leben – allerdings nicht ohne weiterhin die Gefahren der Pandemie aktiv und präventiv einzudämmen.

Die jeweiligen Konzepte zu Sicherheit und Hygiene schaffen die wesentlichen Rahmenbedingungen für den Betrieb der Häuser unter Berücksichtigung der aktuellen Regelungen des Freistaats Bayern bzw. der Bundesregierung zum Gesundheits- und Infektionsschutz während und nach der COVID-19- Pandemie. Auf das aktuelle Infektionsgeschehen wird dabei laufend reagiert und die jeweils gültigen Infektionsschutzmaßnahmenverordnungen werden beachtet.

Die Verantwortung für die Umsetzung der Sicherheits- und Hygienekonzepte liegt bei den jeweiligen Trägern. Sie sind je nach Zuständigkeit mit den Bayerischen Staatsministerien für Familie, Arbeit und Soziales, für Unterricht und Kultus sowie für Gesundheit und Pflege abgestimmt.

Aufbau von Testkonzepten

In Anlehnung an die Testvorgaben bzgl. Selbsttests für bayerische Lehrkräfte, sonstiges schulisches Personal sowie Schülerinnen und Schüler an bayerischen Schulen (gemäß Ministerratsbeschluss vom 7. April 2021) und auf Basis des Rahmenhygieneplans für bayerische Schulen (aktueller Stand vom 12. März 2021) bauen die Träger aktuell Testkonzepte in ihren Einrichtungen auf.

Die erweiterten Maßnahmen zum Arbeits- und Gesundheitsschutz und die erarbeiteten Hygienepläne verfolgen in erster Linie diese Ziele:

  • die Gäste der Einrichtungen und die Bevölkerung durch die Unterbrechung der Infektionsketten zu schützen,
  • die Gesundheit der Beschäftigten und der Gäste zu sichern / zu erhalten,
  • die wirtschaftliche Aktivität der Einrichtungen wiederherzustellen / zu erhalten,
  • Unterstützung im Arbeitsalltag zu bieten sowiefür unsere Gäste und unsere Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter Sicherheit zu vermitteln und im Sinne des Vorlebens eines „Normalisierungsprinzips“ Ängste abzubauen.

V. Schlussfolgerung

„Wiederaufnahme von Schülerfahrten und Kinder- und Jugendfreizeiten“

Kinder und Jugendliche brauchen unmittelbar alle zur Verfügung stehenden Optionen zur individuellen Lebensbewältigung, für umfassende Bildung und gleichberechtigte soziale Teilhabe. Außerschulische Bildungs- und Begegnungsorte werden dieser Forderung in vollem Umfang gerecht und dürfen daher in ihren Angeboten – beispielsweise für ein- und mehrtägige Klassenfahrten – nicht eingeschränkt werden. Im Gegenteil: Schülerfahrten und Aufenthalte in Jugendherbergen, Schullandheimen und Jugendbildungsstätten sind ein wirksames Mittel zur Entlastung und Motivierung junger Menschen nach einer Phase der Demotivation. Sie tragen wesentlich zur Überwindung krisenhafter Situationen und damit der mittel- bis langfristigen Verbesserung von Bildungschancen bei.

Unsere Botschaften

  • Kinder und Jugendlichen brauchen Räume und Gelegenheiten für Bildung, Gemein- schaftserlebnisse und zur Bewältigung ihrer Entwicklungsaufgaben. Die Jugendherbergen, Schullandheime und Jugendbildungsstätten bieten für Schulen sowie Kinder- und Jugendgruppen wertebasierte, persönlichkeitsstärkende und demokratiefördernde Programme des curricularen und sozialen Lernens.
  • Teilhabe und Partizipation erhöhen die Motivation und ermöglichen Gleichberechtigung und Gerechtigkeit. Die Jugendherbergen, Schullandheime und Jugendbildungsstätten sorgen im Verbund mit anderen Trägern der Kinder- und Jugendhilfe im Rahmen ihrer Angebote dafür, dass junge Menschen Entwicklungsaufgaben bewältigen können und zu Persönlichkeiten wachsen.
  • Gemeinschaft und Solidarität sind Wesenselemente der Demokratie. Die Jugendherbergen, Schullandheime und Jugendbildungsstätten sind sowohl in Zeiten der Pandemie als auch weit darüber hinaus unverzichtbare Stützen der Zivilgesellschaft und fördern insbesondere durch Schülerfahrten sowie Kinder- und Jugendfreizeiten den interkulturellen, intergenerativen und milieuübergreifenden Zusammenhalt von Menschen und Personengruppen.
  • Wohlergehen und Sicherheit der Kinder und Jugendlichen haben Priorität. Die Jugendherbergen, Schullandheime und Jugendbildungsstätten sind geschützte Orte, die Kinder und Jugendliche durch erprobte Hygiene- und Sicherheitskonzepte sowohl vor den Gefahren der Pandemie bewahren als auch nachhaltig zum aktiv-vorbeugenden Gesundheitsschutz beitragen.

Unsere Forderungen

  • • Aufgrund ihrer großen pädagogischen Bedeutung fordern wir weiterhin, dass Schülerfahrten verpflichtendes Element in den Lehrplänen aller Schularten und Jahrgangsstufen werden.
  • Wir fordern deshalb unverzüglich konkrete Schritte der Wiederinbetriebnahme von Jugendherbergen, Schullandheimen und Jugendbildungsstätten, die sowohl das individuelle Wohlergehen als auch die Sicherheit im Blick haben.
  • Kinder und Jugendliche müssen zu jeder Zeit ihre Ansichten, Sorgen und Wünsche einbringen und in allen politischen und gesellschaftlichen Bereichen selbst zu Wort kommen können. Dazu sind Formen und Instrumente der Mitwirkung und Mitbestimmung von Kindern und Jugendlichen notwendig, wie sie beispielsweise im Rahmen von Schülerfahrten, Kinder- und Jugendfreizeiten sowie Jugendkonferenzen ermöglicht werden.
  • Angesichts des Handlungsdrucks aus gesundheitlicher und sozial-psychologischer Sicht müssen weiter Formate der Begegnung und Bildung für Kinder und Jugendliche konzipiert werden, wie sie insbesondere auch bei Schülerfahrten sowie Kinder- und Jugendfreizeiten umgesetzt werden.
  • Die Jugendherbergen, Schullandheime und Jugendbildungsstätten in Bayern haben bereits alle erforderlichen Vorarbeiten hierzu geleistet – benötigen aber umgehend Rechtssicherheit und verlässliche Perspektiven. Andernfalls geht Vertrauen zwischen den Anbietern und Kindern/Jugendlichen, deren Familien und den Lehrkräften verloren.

Schülerfahrten sind keine „verlorene Unterrichtszeit“, sondern unverzichtbarer Teil der schulischen Bildung, zumal in diesem Rahmen auch versäumte Unterrichtsinhalte nachgeholt werden können. Ebenso bieten sie hervorragende Möglichkeiten der non-formalen und informellen Bildung.

Nach über einem Jahr Ausnahmezustand durch Corona müssen jetzt die Weichen für mehr Normalität im Alltag von Kindern und Jugendlichen gestellt werden. Jugendherbergen, Schullandheime und Jugendbildungsstätten in Bayern können und werden als gemeinwohlorientierte Akteure der Zivilgesellschaft ihren Teil dazu beitragen, dass kein Heranwachsender aufgrund der Pandemie zurückgelassen wird und die Voraussetzungen für eine gelingende Lebens- und Bildungsbiografie sichergestellt sind. Eine bewährte Methode hierfür sind Angebote wie Schülerfahrten, Lern- und Freizeitcamps, die unmittelbar und flächendeckend wieder ermöglicht werden müssen, wenn körperliche, psychische und seelische Folgeschäden aus der Pandemie abgewendet werden sollen.

Vor diesem Hintergrund sind pauschale Verbote und Einschränkungen von Schülerfahrten, Gruppen- und Ferienfreizeiten eine inakzeptable Strategie. Alle Beteiligten brauchen eine Perspektive, um sinnvoll planen zu können.

Es ist möglich und nötig, Rahmenbedingungen zu schaffen, dass diese wertvollen Erfahrungs-, Bildungs- und Begegnungsaufenthalte auch während einer Pandemie durchgeführt werden. Es geht zuvorderst um die Ermöglichung der individuellen Entwicklung sowie die Herausbildung sozialer Kompetenzen bei Kindern, Jugendlichen und jungen Erwachsenen und somit gleichzeitig um die Anerkennung und Würdigung des pädagogischen Wertes solcher Angebote.

Quellen:

Andresen, Sabine/Heyer Lea/Lips, Anna et al. (2021). Das Leben von jungen Menschen in der Corona-Pandemie. Erfahrungen, Sorgen, Bedarfe. (JuCo-Studie des Forschungsverbunds „Kindheit-Jugend-Familie in Zeiten von Corona“ der Goethe-Universität Frankfurt und Stiftung Universität Hildesheim in Kooperation mit der Bertelsmann Stiftung. Gütersloh: Bertelsmann Stiftung. Abgerufen am 21.04.2021 von https://www.bertelsmann-stiftung.de/de/publikationen/publikation/did/das-leben-von-jungen-menschen-in-der-corona-pandemie-1

Hurrelmann, Klaus/Dohmen, Dieter (2021). Wie die Pandemie die Entwicklung von Jugendlichen beeinträchtigt. In: Das Deutsche Schulportal (10. Februar 2021). Abgerufen am 21.04.2021 von https://deutsches-schulportal.de/expertenstimmen/klaus-hurrelmann-dieter-dohmen-wie-die-corona-pandemie-die-psychosoziale-entwicklung-von-jugendlichen-beeintraechtigt/

Ravens-Sieberer, Ulrike/Kaman, Anne/Erhart, Michael et al. (2021). Quality of Life and Mental Health in Children and Adolescents during the First Year of the COVID-19 Pandemic in Germany: Results of a Two-Wave Nationally Representative Study. 2021. Abgerufen am 21.04.2021 von SSRN: https://ssrn.com/abstract=3798710

Ravens-Sieberer, Ulrike/ Kaman, Anne/Otto, Christiane et al. (2021). Seelische Gesundheit und psychische Belastungen von Kindern und Jugendlichen in der ersten Welle der COVID-19-Pandemie – Ergebnisse der COPSY-Studie. Bundesgesundheitsblatt, 2021, DOI 10.1007/s00103-021-03291-3. Abgerufen am 21.04.2021 von https://link.springer.com/article/10.1007/s00103-021-03291-3

Runder Tisch Schülerfahrten in Bayern (2013). Positionspapier „Schülerfahrten in Bayern – ein Mehrwert für die schulische Bildung“. Gemeinsames Positionspapier der bayerischen Eltern- und Lehrerverbände, der Verbände der Schulleitungen und Schulaufsicht, des Landesschülerrats sowie des Bayerischen Jugendrings, des Bayerischen Schullandheimwerks und des Deutschen Jugendherbergswerks Landesverband Bayern. Überreicht am 10. September 2013 an den Bayerischen Staatsminister für Unterricht und Kultus. München.

Die gemeinnützigen Organisationen

Deutsches Jugendherbergswerk Landesverband Bayern e.V.
Mauerkircherstraße 5, 81679 München

Bayerisches Schullandheimwerk e.V.
Rückersdorfer Str. 43, 90552 Röthenbach

Bayerischer Jugendring K.d.ö.R. mit Jugendbildungsstätten
Herzog-Heinrich-Straße 7, 80336 München

Petition unterzeichnen

 

152 signatures

Perspektivkonzept

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Laden Sie sich das komplette Perspektivkonzept Schülerfahrten und Jugendfreizeiten gerne hier herunter.

Unterschrift

Matthias Fack

Präsident Bayerischer Jugendring

Unterschrift

Martin Rothenaicher

Landesvorsitzender Bayerisches Schullandheimwerk e.V.

Unterschrift

Klaus Umbach

Präsident Deutsches Jugendherbergswerk Landesverband Bayern e.V.

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    Unter Schülerfahrten werden ein- oder mehrtägige schulische Veranstaltungen verstanden, bei denen Schülerinnen und Schüler die Schule zu Bildungszwecken verlassen. Zu den traditionellen Formen zählen Schullandheimaufenthalte, Studienfahrten, Fachexkursionen, Schulsportkurse und Schülerwanderungen. Ebenso gehören internationale Schülerbegegnungen dazu. Zunehmend werden auch Projektwochen, Workshops oder Seminare an außerschulischen Lernorten durchgeführt. Rechtlicher Bezugsrahmen sind die „Durchführungshinweise zu Schülerfahrten“ des StMUK (KWMBl Nr. 15/2010 vom 9.7.2010).